Basierend auf mehreren wissenschaftlichen Studien gibt es für gesunde Erwachsene keinen überzeugenden Beweis dafür, dass Kreatin schlecht für die Nieren ist. In RCT-Studien und systematischen Übersichten wird hauptsächlich beobachtet, dass Kreatin den Serumkreatininspiegel leicht erhöhen kann, während direktere Messgrößen der Nierenfunktion meist stabil bleiben. Daher ist es wichtig, zwischen einem veränderten Blutwert und einem tatsächlichen Nierenschaden zu unterscheiden. Dieser Unterschied bestimmt fast die gesamte Antwort auf diese Frage. (Naeini et al., 2025; de Souza e Silva et al., 2019).
Ist Kreatin schlecht für die Nieren?
Die stärkste Forschungslinie ist ziemlich konsistent. In den verfügbaren humanen RCTs und systematischen Übersichten wird keine deutliche Verschlechterung der glomerulären Filtration, der Kreatinin-Clearance, der Albuminurie oder Proteinurie bei standardmäßigen oralen Kreatinprotokollen festgestellt. Dies gilt nicht nur für gesunde Erwachsene, sondern auch für einige kontrolliert untersuchte Untergruppen, wie postmenopausale Frauen, Menschen mit Typ-2-Diabetes und Erwachsene mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit. (Naeini et al., 2025; de Souza e Silva et al., 2019; Neves et al., 2011; Gualano et al., 2011; Domingues et al., 2020).
Die Verwirrung entsteht hauptsächlich um Serumkreatinin. Kreatinin ist kein reiner Schadensparameter. Es ist auch ein Abbauprodukt von Kreatin und Muskelstoffwechsel. Daher kann die Kreatineinnahme das Serumkreatinin erhöhen, ohne dass sich die Filterfunktion der Nieren tatsächlich verschlechtert. Wenn ein Labor dann die eGFR basierend auf Kreatinin berechnet, kann die eGFR niedriger erscheinen, obwohl es in Wirklichkeit keinen Beweis für einen tatsächlichen Nierenschaden gibt. Dies wird in der jüngsten Synthese explizit als Interpretationsproblem und nicht als harter Beweis für einen Schaden genannt. (Naeini et al., 2025).
Dieses Muster zeigt sich auch in einzelnen Studien. In der RCT von de Oliveira Vilar Neto et al. stieg das Serumkreatinin in den Kreatingruppen an und die eGFR sank, aber es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Gleichzeitig blieben empfindlichere Nierenschadenmarker wie KIM-1 und MCP-1 sowie Albuminurie und Proteinurie unverändert. Das passt besser zu einem Laboreffekt als zu einem echten Nierenschaden. (de Oliveira Vilar Neto et al., 2020).
Die vorsichtigste Schlussfolgerung ist daher: Bei gesunden Erwachsenen ist der Beweis sehr beruhigend, für Serumkreatinin allein ist der Beweis gemischt, und für Menschen mit bestehender chronischer Nierenerkrankung oder anderen komplexen medizinischen Situationen ist der Beweis begrenzt. Gerade dort fehlen größere, langzeitige RCTs. (Naeini et al., 2025).
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Was ist Kreatin?
Kreatin ist eine stickstoffhaltige Verbindung, die der Körper selbst aus Aminosäuren herstellen kann und die auch über die Nahrung aufgenommen wird. Im Muskelgewebe spielt Kreatin, insbesondere als Phosphokreatin, eine Rolle bei der schnellen Energiepufferung und der Resynthese von ATP während kurzer, intensiver Anstrengungen. Für die Nierenthematik ist besonders wichtig, dass Kreatin und Kreatinin biochemisch miteinander zusammenhängen. Ein Teil des aufgenommenen oder gespeicherten Kreatins wird in Kreatinin umgewandelt. Daher können Kreatinsupplementierung und Kreatinin-basierte Nierenmessungen einander beeinflussen, ohne dass direkt eine Nierenschädigung vorliegen muss. (Naeini et al., 2025).
In der hier verwendeten Literatur zur Nierensicherheit geht es praktisch immer um Kreatin-Monohydrat in oraler Form. Das ist relevant, da Aussagen über Kreatin und Nieren auf der Grundlage dieser Evidenz also vor allem Kreatin-Monohydrat betreffen und nicht alle möglichen anderen Kreatinformen oder Kombinationsprodukte. (Naeini et al., 2025).
Wie viel Kreatin sollte man pro kg Körpergewicht einnehmen?
In der Literatur werden hauptsächlich zwei Ansätze verwendet: eine absolute Dosierung pro Tag und eine relative Dosierung pro Kilogramm Körpergewicht. Die am besten untersuchte relative Ladephase liegt bei etwa 0,3 g pro kg Körpergewicht pro Tag. Danach liegt der relative Erhaltungsbereich in systematischen Protokollen zwischen 0,03 und 0,14 g/kg/d. In absoluten Zahlen wird eine klassische Ladephase meist als etwa 20 Gramm pro Tag für 5 bis 7 Tage beschrieben, gefolgt von einer Erhaltungsphase von 2 bis 5 Gramm pro Tag. Es gibt auch Protokolle ohne Ladephase, zum Beispiel 3 Gramm pro Tag, bei denen die Sättigung langsamer eintritt. (Pashayee-Khamene et al., 2024; Wang et al., 2024).
Die nierenbezogenen RCTs stimmen gut mit diesem Muster überein. Es gibt Studien mit 0,3 g/kg/d in der ersten Woche, gefolgt von 0,15 g/kg/d für elf Wochen, aber auch Studien mit 3 oder 5 Gramm pro Tag ohne Ladephase. Andere Studien verwendeten den klassischen Ansatz von 20 Gramm pro Tag für eine Woche und danach 5 Gramm pro Tag für sieben bis zwölf Wochen. Basierend auf diesen Untersuchungen gibt es kein konsistentes Signal, dass Standard-Ladeprotokolle innerhalb dieser Bandbreite die Nierenfunktion verschlechtern, solange man das Ergebnis nicht nur aus dem Serumkreatinin ableitet. (Gualano et al., 2008; Neves et al., 2011; Domingues et al., 2020; de Oliveira Vilar Neto et al., 2020).
Fazit: Ist Kreatin schlecht für die Nieren?
Basierend auf den verfügbaren RCTs und systematischen Übersichten ist die am besten vertretbare Schlussfolgerung, dass Kreatin bei gesunden Erwachsenen nicht überzeugend mit einer Verschlechterung der Nierenfunktion verbunden ist. Die Literatur zeigt keine konsistente Abnahme der gemessenen oder geschätzten Filtration, die Bestand hat, wenn man auch direktere oder ergänzende Marker wie Kreatinin-Clearance, Albuminurie, Proteinurie oder empfindlichere Biomarker berücksichtigt. Was jedoch beobachtet wird, ist, dass Kreatin das Serumkreatinin leicht erhöhen kann. Dies kann dazu führen, dass die Kreatinin-basierte eGFR niedriger erscheint, was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass die Nieren geschädigt sind. (Naeini et al., 2025; de Souza e Silva et al., 2019).
Damit ist die Antwort auf die Frage „Ist Kreatin schlecht für die Nieren?“ für gesunde Erwachsene ziemlich klar: Die Beweise stützen dies nicht. Für Menschen mit bereits bestehenden chronischen Nierenerkrankungen oder anderen komplexen medizinischen Situationen bleibt Vorsicht geboten, insbesondere da hierfür weniger direkte RCT-Daten verfügbar sind. Dies ist also hauptsächlich eine Wissenslücke, kein überzeugender Beweis für Schäden durch Kreatin selbst. (Naeini et al., 2025).
Quellen
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de Oliveira Vilar Neto, J., da Silva, C. A., Meneses, G. C., et al. (2020). Novel renal biomarkers show that creatine supplementation is safe: A double-blind, placebo-controlled randomized clinical trial. Toxicology Research, 9(3), 263–270.
de Souza e Silva, A., Pertille, A., Reis Barbosa, C. G., de Oliveira Silva, J. A., de Jesus, D. V., Ribeiro, A. G. S. V., Baganha, R. J., & de Oliveira, J. J. (2019). Effects of creatine supplementation on renal function: A systematic review and meta-analysis. Journal of Renal Nutrition, 29(6), 480–489.
Domingues, W. J. R., Ritti-Dias, R. M., Cucato, G. G., et al. (2020). Does creatine supplementation affect renal function in patients with peripheral artery disease? A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Annals of Vascular Surgery, 63, 45–52.
Gualano, B., de Salles Painelli, V., Roschel, H., et al. (2011). Creatine supplementation does not impair kidney function in type 2 diabetic patients: A randomized, double-blind, placebo-controlled, clinical trial. European Journal of Applied Physiology, 111(5), 749–756.
Gualano, B., Ugrinowitsch, C., Novaes, R. B., et al. (2008). Effects of creatine supplementation on renal function: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. European Journal of Applied Physiology, 103(1), 33–40.
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Pashayee-Khamene, F., Heidari, Z., Ghanavati, M., et al. (2024). Creatine supplementation protocols with or without training interventions on body composition: A GRADE-assessed systematic review and dose-response meta-analysis. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 21(1), 2380058.
Wang, Z., Qiu, B., Li, R., et al. (2024). Effects of creatine supplementation and resistance training on muscle strength gains in adults <50 years of age: A systematic review and meta-analysis. Nutrients, 16(21), 3665.
